ExtraEnergy Lasten Pedelec Test 2016 – erste Einblicke

Der große ExtraEnergy Lasten Pedelec Test ist seit vier Tagen in vollem Gange. Zeit für einen ersten Bericht. Der April zeigt sich wie man ihn hier kennt: Sonne, Regen, Wind, Hagel und Schnee wechseln sich ab und sorgen auf der Teststrecke für anspruchsvolle Bedingungen – sowohl für die Räder als auch für die Testfahrer.

Ein Ziel des Tests ist es, einen Überblick über gängige Typen von Lasten Pedelecs zu geben. Daher ist es besonders wichtig, dass die ganze Bandbreite dabei ist: Einspurig und mehrspurig, bis 25km/h und bis 45km/h Unterstützung. Es sind Front-, Mittel-, und Heckmotoren vertreten, ein unveröffentlichter Protoyp hat sogar Allradantrieb. Um das Thema Lastentransport gut abzubilden, wird auch ein Pedelec mit Anhänger in den Test geschickt. Insgesamt sind im Testfeld die gängisten Pedelec-Antriebshersteller und auch speziell für Cargo Pedelecs entwickelte Antriebe dabei.

Das Herz des Tests – Die Testfahrer*

Dem Test-Team (d.h. das ExtraEnergy Test-Team, sowie Arne Behrensen und Wasilis von Rauch als externe Experten) war es wichtig, zusätzlich zu den erfahrenen Tesfahrern von ExtraEnergy ausgemachte Lasten Pedelec-Experten zu gewinnen. Das ist gelungen, hier eine kurze Vorstellung:

  • Felix Möhler schreibt eine Forschungsarbeit zur Ergonomie von Cargobikes
  • Thomas Schmidt betreibt unter anderem die Seite www.lastenradler.de und die Plattform Freie Lastenräder in München, über die sich jede*r kostenlos ein Cargobikes ausleihen kann
  • Eric Poscher ist seit Jahren im Lasten Pedelec Business dabei, aktuell schreibt er am Buch „Car Go Bike Boom“ und engagiert sich beim Morgenlab
  • Benjamin Georg ist aktiv bei den Cargobike Fans Berlin
  • Jan Steinberg betreibt das Bakfiets-Blog und treibt sich auch sonst überall rum, wo es Lasten Pedelecs gibt
  • Felix Hüls ist Fahrer bei Velocarrier, dem Shootingstar der Lasten Pedelec basierten City-Logistik.
2016 EE Cargo Test Hands UP
Die Testfahrer und das Test Team. Foto: Angela Budde/ExtraEnergy

Zentrale Fragen des Lasten Pedelec Tests

Wir wollen natürlich wissen, wie die Bikes performen. Das heißt, welche Unterstützung der Motor in verschiedenen Situtationen liefert, wie die Durchschnittsgeschwindigkeiten sind, wie die Reichweite und die Fahreigenschaften. Darüber hinaus gibt spezielle Themen, zu denen wir mit diesem Test Antworten finden wollen. Beispielsweise

  • Antriebe Wie sehen Effizienz und Unterstützung verschiedener Konzepte aus? Welche Stärken und Schwächen haben verschiedene Kombinationen aus Motorposition und Schaltung? Sind bestimmte Positionen oder Schwerlastantriebe im Vorteil? Wie schneidet die Anhängervariante ab?
  • Aufbauten Was ist besonders überzeugend gelöst? Unkomplizierter Umbau, clevere Lösungen für den Kindertransport und für unterschiedliche professionelle Einsätze.

Erste Eindrücke

Fest steht, dass seit unserem ersten gemeinsamen Lasten Pedelec Test 2013 ein großer Fortschritt zu erkennen ist (die sieben damals getesteten Lasten Pedelecs sind mit allen Messwerten bei elektrobike-online zu finden). Fortschritt heißt konkret: Die Motoren sind für die Last von 50 Kilogramm auf der Teststrecke besser ausgelegt, die Reichweiten sind klar verbessert und die Aufbauten wie Boxen und Kindersitze sind teils deutlich durchdachter. Es gibt hydraulische Klappenöffner, solide Anschnallgurte und vieles mehr. Die Modell-Vielfalt ist insgesamt größer.

Am Mittwoch den 27.4 laden wir teilnehmende Hersteller, Presse und Fachwelt zu ExtraEnergy ein, um alle Räder vorzustellen. Gemeinsam mit den Testfahrern geben wir einen Überblick über den bisherigen Testverlauf und geben einen Einblick in die Testmethodik bei ExtraEnergy. Zum Programm hier klicken. Zur Anmeldung bitte eine Mail an test@extraenergy.org schreiben.

Mehr zum Test

Über den Test berichten ExtraEnergy, cargobike.jetzt und e-Rad Hafen.

Mehr e-Rad Hafen & Lasten Pedelecs

* Leider ist es uns nicht gelungen, eine oder mehrere Testfahrerinnen für den Test zu gewinnen. Das schränkt die Representativität in einigen Bereichen stark ein. Für eine Neuauflage 2017 werden wir alles daran setzen, eine bessere Quote zu erreichen.

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Rückblick: Anhänger zum Transport – der ExtraEnergy Test 2012

Derzeit läuft bei ExtraEnergy der größte Lasten Pedelec Test Europas – e-Rad Hafen und Cargobike.jetzt berichten direkt. Unter anderen testen wir auch ein Pedelec mit Anhänger, um es mit den Lasten Pedelecs zu vergleichen. Denn zum Transport von Lasten ist auch ein Anhänger unter Umständen eine sinnvolle Alternative. Aus diesem Anlass hier ein Rückblick auf einen Hängertest aus dem Jahr 2012.

— die ausführliche Version desTexts ist im ExtraEnergy Test Heft 2012 zu lesen —

Pedelecs haben ein Riesenpotenzial für den Transport. Von aller Art Lasten oder für Familien mit Kindern, oder WGs mit den dazugehörigen Großeinkäufen. Dazu sind zum einen Lasten-Pedelecs eine Option. Eine weitere Alternative, die sehr wenig wahrgenommen wird, sind Anhänger, die an ein normales Pedelec angehängt werden. Beim ExtraEnergy Test 2012 wurden die Fahreigenschaften von Pedelecs mit Hänger und der bewährten Test-Messtechnik unter Realbedingungen untersucht.

2012 Anhaengertest ExtraEnergy
im Bild das Kettler und Sebastian Plog am gelben Utopia Foto: ExtraEnergy

Der Test im Detail

Wie verhält sich ein Pedelec mit einem mit 70 Kilogramm beladenen Anhänger? Wie stark ändern sich Geschwindigkeit und Reichweite? Kommt man sicher zum Stand? Und schneidet der getestete Mittel-, Heck- oder Frontantrieb am besten ab?

Für den Test wurden drei Pedelecs mit hydraulischen Bremsen ausgewählt, alle haben im Test 2012 hervorragende Ergebnisse erzielt. Das Bulls „Sportslite Plus“, Sieger in der Gruppe City Komfort, ausgestattet mit einem getriebelosen Green Mover (GO Swiss Drive) Heckmotor, das Kettler „Traveller-E Sport“, Sieger in der Gruppe Familien Pedelec mit Bosch-Mittelmotor und als drittes das Utopia “Kranich” unser Testsieger bei den Klassik Pedelecs. Das Kranich fährt mit einem Chrystalite Frontmotor, wie der Green Mover ist der Chrystalite ein Direktläufer. Alle drei Räder wurden von unseren Testfahrer*innen über die gesamte Teststrecke gefahren.

Hinweis: Vor der Verwendung eines Anhängers im Alltag sollten die Freigaben des Herstellers beachtet werden. Viele Hersteller begrenzen das zulässige Gesamtgewicht oder geben gar keine Freigabe für die Nutzung mit Anhänger.

Wie sehen die Ergebnisse aus?

Mit allen drei Pedelecs war das Fahren mit Hänger problemlos – eine Hänger-Fahrt mit einem nicht motorisierten Rad wäre dagegen spätestens auf der Bergstrecke eine Tortur. Fast alle Streckenabschnitte konnten mit 70 Kilo im Hänger gut befahren werden.

Zu den Details: Auf der relativ ebenen Tourenstrecke fuhren alle drei Testräder sehr zügig (ca. 25km/h), dabei lag der Stromverbrauch beim Kettler bei 6,9 Wattstunden pro Kilomter (Wh/km), ein Plus von 38 Prozent im Vergleich zur Fahrt ohne Hänger. Beim Bulls waren es 10,3Wh/km (+53%) und das Kranich brauchte 8,9 Wh/km (+77%). Die Reichweiten lagen zwischen 33 Kilometern beim Kettler und 40 beim Kranich. Für relativ ebenes Gelände sind also alle drei Testräder gut geeignet, auch wenn der Bosch-Mittelmotor leichte Effizienzvorteile hat (Tabelle 1).

Tourenstrecke Geschwindigkeit (km/h)
Verbrauch (Wh/km)
Mehrverbrauch (in Prozent)
Reichweite mit Hänger
Bulls Sportslite
26,47 10,31 52,51 34,7
Kettler Traveller E-Sport
24,86 6,89 37,80 33,4
Utopia Kranich
24,32 8,94 77,38 40,1

Etwas deutlicher wird dieser Unterschied auf der 1,2 Kilometer langen Bergstrecke und beim Stop-and-Go in der Stadt: Hier verbraucht der Bosch-Mittelmotor jeweils rund 50 Prozent weniger als seine beiden Konkurrenten in den Radnaben (Tabelle 2). Der Grund dafür ist einfach: Die Radnaben-Motoren sind nicht für hohe Lasten ausgelegte Direktläufer. Direktläufer haben kein Getriebe und somit beim Anfahren (Stop-and-Go) und bei geringen Geschwindigkeiten (Berg) sehr geringe Drehzahlen, das erhöht den Stromverbrauch deutlich. Man kann es sich etwa vorstellen, wie die Anstrengung ohne Gangschaltung bergauf zu fahren. Ein Mittelmotor profitiert dagegen vom Schalten des Fahrers: Schaltet der Fahrende gut, arbeitet der Motor die meiste Zeit in einem optimalen Drehzahl-Bereich.

Tabelle 2 Verbrauch Berg (Wh/km) Verbrauch Stop-and-Go (Wh/km)
Bulls Sportslite
20,26 18,91
Kettler Traveller E-Sport
14,97 12,43
Utopia Kranich
25,26 20,44

Am deutlichsten erkennt man dieses Phänomen auf dem 200 Meter kurzen bergan Abschnitt der Teststrecke (15% Steigung): Hier verbraucht der Mittelmotor nicht nur deutlich weniger, sondern erreicht dabei auch noch die höchste Geschwindigkeit (Tabelle 3) – die Nabenmotoren kamen an ihre Grenzen.

Tabelle 3 Verbrauch bergan (steil, in Wh) Geschwindigkeit (km/h)
Bulls Sportslite
37,8 10,53
Kettler Traveller E-Sport
26,5 14,55
Utopia Kranich
55,9 8,51

Fazit 1

Im ebenen Gelände sind alle Testräder gut geeignet für die Verwendung mit einem Anhänger. Werden allerdings teilere Strecken oder Stop-and-Go Abschnitte gefahren, dann spielt der Mittelmotor seinen Effizienz-Vorteil voll aus.

Last but not least – sollte ein Hänger eine Auflaufbremse haben?

Um dies heraus zu finden, haben wir einen Testfahrer alle Testräder je ohne Hänger, mit gebremstem Hänger und mit ungebremstem Hänger von 25km/h bis zum Stand abbremsen lassen. Mit dem gebremstem Hänger verlängerte sich der Bremsweg bereits deutlich – bis zu 1,60 Meter (siehe Tabelle). Nebenbei deutete sich an den Bremswegen des Kettler (Tektro Draco) und des Bulls (Tektro Aguira) auch ein großer Qualitäts-Unterschied zwischen verschiedenen hydraulischen Scheibenbremse an. Noch deutlicher wurde der Unterschied bei ungebremstem Anhänger: Beim Bulls verdoppelte sich der Bremsweg fast – von 3,4 auf 6,2 Meter, das Kranich mit hydraulischer Felgenbremse (Magura HS 11) benötigte statt 3,6 Meter 5,7. Beim Kettler stieg der Wert immer noch um die Hälfte von 2,7 auf 4,1 Meter. Das allein wäre schon Grund genug für gebremste Hänger zu plädieren. Noch wichtiger war allerdings, dass der ungebremste Hänger beim Bremsvorgang ausbrach und dann über die Verbindungsstange das Fahrrad aus der Spur schiebt. Dieser Effekt kann in Kurven gefährlich werden (Tabelle 4).

Tabelle 4 Bremsweg (je in Metern)
Bremsweg mit Hänger Bremsweg Hänger ungebremst
Bulls Sportslite 3,4 5 6,2
Kettler Traveller E-Sport 2,7 3,7 4,1
Utopia Kranich 3,6 4,1 5,7

Fazit 2

Ein gebremster Hänger erhöht die Sicherheit deutlich, darauf sollte nach Möglichkeit nicht verzichtet werden. Außerdem macht der Test auch deutlich, dass es zwischen verschiedenen Bremsen große Unterschiede gibt – eine gemessene Vollbremsung sollte daher ins Repertoire einer Probefahrt vor dem Kauf aufgenommen werden.

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