E-Räder boomen bei Fahrrad Fachhändlern, Discountern, in Baumärkten und Kaffeeröstereien, 2011 wurden laut ZIV rund 300.000 Stück verkauft, Tendenz weiter steigend.
Interessierte stehen vor einem zunehmend differenzierten und sich schnell entwickelnden Angebot. Wir haben Euch hier eine Reihe wichtiger Fragen zusammen gestellt, damit Ihr Euch vorab schon mal ein Bild machen könnt, was für Euch in etwa das richtige sein könnte.
Tipp: Der VCD (Verkehrsclub Deutschland) hat auf seinen Seiten eine Datenbank eingestellt in der so gut wie alle am Markt erhältlichen e-Räder nach eigenen Suchkriterien wie Preis, Antrieb, Schaltung etc. durchsucht werden können: Hier zur Datenbank des “Besser E-Radkaufen” Projekts. Mit den Tipps auf dieser Seite könnt Ihr in der Datenbank gut nach einem passenden Rad suchen.
Inhalt
- Welche Distanzen werden gefahren?
- Welcher Antrieb ist der richtige?
- Was ist wichtig bei den Akkus?
- Was braucht es an Zusatzteilen – Kindersitz und Co?
- Wie schwer darf das Rad sein?
- Ist das E-Rad stabil genug für die nötigen Lasten?
- Ein Elektrofahrrad muss ein gutes Fahrrad sein!
- Und wo kann ich ein E-Rad kaufen?
- Tests und Probefahrt
- Was E-Räder noch nicht können
Die wichtigste Frage: Welche Strecken werden gefahren?
Wer am Tag bis zu 30km fährt und dabei vielleicht sogar den Akku zwischendurch aufladen kann (beispielsweise auf der Arbeit), der braucht sich um die Reichweite des E-Fahhrads kaum Gedanken machen. Fast jedes E-Rad ist mit einem Akku ausgestattet, der diese Reichweite schafft (siehe FAQ dazu hier). Vielleicht reicht auch die mal die kleinere Akkuvariante, das spart Geld und Gewicht.
Wer dagegen öfters auch mal über 50 Kilometer fährt, ohne den Akku laden zu können, braucht entweder einen Akku mit sehr hoher Kapazität (was das heißt steht hier) oder einen Ersatz-Akku.
Am besten ist es, sich ein E-Rad vor dem Kauf für einen Tag auszuleihen und die Reichweite selbst zu testen, nur so kann man sicher sein, dass der Akku reicht.
Übrigens: Cafes oder Kneipen lassen Radler während einer Pause in aller Regel gerne den Akku laden, nach einer Stunde ist der dann abhängig vom Ladegerät wieder ein gutes Stück geladen.
Welcher Antrieb ist der richtige und brauchst Du einen Rücktritt?
Vorab: wer einen Rücktritt braucht, muss entweder einen Vorderradantrieb wählen oder einen Mittelmotor, der einen Rücktritt zulässt (Impulse oder Panasonic, mehr dazu hier). Es gibt keine E-Räder mit Heckmotor, die einen Rücktritt haben.
Ansonsten gilt, alle Antriebsarten haben Vor- und Nachteile, siehe Auflistung unten. Allerdings ist bei Frontantrieben Vorsicht angesagt, denn besonders günstige E-Räder mit Frontmotor fahren sich oft sehr rucklig, verzögern am Anfang und laufen nach. Das liegt an der Sensorik des Antriebs (Details zur Sensorik hier).
TIPP: Wer eine harmonische Unterstützung am E-Rad möchte, sollte sich Rad mit Drehmoment- oder Kraftsensor kaufen.
Vor- und Nachteile unterschiedlicher Antriebe
Frontmotor (Nabenantrieb im Vorderrad)
Vorteile
- Frontmotor bedeutet Allrad-Antrieb, bedeutet gutes Fahrgefühl und bspw. bei Schnee, besseres Vorankommen
- Rücktrittbremse immer möglich
- alle Schaltungstypen können im Hinterrad platziert werden
- Vorderradnabenmotoren haben in der Regel ein Getriebe und können deshalb sehr kompakt gebaut werden (sind teilweise kaum von Nabendynamos zu unterscheiden), daher sehen Räder mit Frontantrieb einem klassischen Rad oft sehr ähnlich
Nachteile
- lange Kabelwege vom Akku zum Motor bedingen unter Umständen eine höhere Störanfälligkeit
- erhöhtes Gewicht des Vorderrads und der Motor beeinflussen das Lenkverhalten
- der Motor kann je nach Getriebe recht laut werden
- bei einfachen E-Rädern oft schlechte Fahreingenschaften
Heckmotor (Nabenantrieb im Hinterrad)
Vorteile
- Verwendung eines Nabendynamos ist möglich
- der Schwerpunkt liegt im Vergleich zum Frontantrieb günstiger
- Motoren im Hinterrad sind Direktläufer (kein Getriebe/keinerlei bewegteTeile), das macht sie störungssicher
Nachteile
- keine Rücktrittbremse möglich
- das Heck des Rads wird recht schwer, besonders wenn der Akku am Gepäckträger angebracht ist
- eine Nabenschaltung in der Hinterradnabe ist sehr häufig nicht möglich (Einzelne Modelle bieten mittlerweile jedoch auch Hinterradmotoren mit drei Gang Nabenschaltungen)
- langen Kabelwege vom Akku zum Motor bedingt höhere Störanfälligkeit
- keine Rücktrittbremse möglich
Tretlagermotoren (Motor in der Nähe an der Pedalkurbel)
Vorteile
- günstiger Schwerpunkt durch tiefen, mittigen Sitz des Motors und Akkus
- wenige anfällige Kabelverbindungen, falls der Akku in der Nähe des Motors angebaut ist, was nicht mehr immer der Fall ist
- sowohl Naben- als auch Kettenschaltung möglich Nabendynamo lässt sich so in das Vorderrad einbauen
Nachteile
- etwas weniger wendig, da der Mittelmotor den Rahmen ca. 10cm länger macht
- in der Regel keine Rücktrittbremse möglich (Ausnahme Derby)
Was ist wichtig bei den Akkus?
Neben dem Antrieb ist der Akku das teuerste und vielleicht wichtigste Teil eines E-Rads. Aus technischer Sicht sind die verschiedenen Arten der Lithium-Ionen Batterien/Akkus gegenüber den veralteten Blei und Nickel Akkus zu empfehlen. Wichtiger als die Feinheiten der unterschiedlichen Ionen-Techniken ist für die meisten die Herstellergarantie und der Preis einer Ersatzbatterie. Die Garantie sollte mindestens ein, besser zwei Jahre betragen. Bei den Ersatzbatterien ist neben dem reinen Preis auch die voraussichtliche Verfügbarkeit zu beachten: ist der Hersteller etabliert und wird wahrscheinlich auch in einigen Jahren seine Modelle noch anbieten?
Entscheidende Leistungsgrößen der Akkus sind die Leistung (in Wh , sie bestimmt die Reichweite, näheres hier) und das Gewicht. Die Entwicklungen bei den Akkus ist seit Jahren sehr dynamisch- sie werden immer leichter und leistungsfähiger.
Was ist ein großer Akku?
- ein großer Akku kann über 350 Wattstunden (Wh) leisten
- zwischen 250 und 350 Wh liegen Mittelgroße Akkus
- Unter 250 Wh sind Akkus mit kleiner Kapazität
TIPP: Kauft auf jeden Fall einen Akku, der dem Stand der Technik entspricht, außerdem achtet darauf welche Kapazität der Akku hat, das kann den Preis stark beeinflussen.
Im Alltag sind noch zwei weitere Aspekte wichtig. Erstens sollte sich der Akku leicht herausnehmen lassen und am Fahrrad fest verschließbar sein (Diebstahlschutz!). Idealerweise lässt sich der Akku am Rahmen und wenn er abgenommen ist laden.
Zweitens solltet Ihr probieren ob die Position des Akkus am Rad Probleme
verursacht. Akkus auf dem Gepäckträger können beispielsweise die Montage von Kindersitzen oder Gepäcktaschen unmöglich machen.
Was braucht es an Zusatzteile – Kindersitz und Co?
Es ist wichtig zu testen ob benötigte Zusatzteile (z.B. Kindersitz, Anhänger) montiert werden können.
Wie schwer darf das Rad sein?
Ein E-Rad ist schwerer als ein normales Fahrrad- das macht in der Praxis weniger aus, als man denkt. Denn entscheidend ist das Systemgewicht aus Fahrer + Gepäck + E-Rad. Da machen fünf oder sechs Kilo nicht so viel aus.
Wenn man das E-Rad allerdings oft über Treppen muss, ist das Gewicht eine ganz entscheidende Größe. In diesem Falle sollte das E-Rad keines Falls deutlich über 20kg wiegen.
TIPP: Kompakt E-Räder sind oft etwas leichter und handlicher
Ist das E-Rad stabil genug für die nötigen Lasten?
„Normale“ E-Räder haben ein Gesamt-Zulassungsgewicht zwischen 120 und 170kg. Es gibt auch spezielle E-Räder, die für größere Lasten konstruiert wurden.
Wichtig ist das zulässige Gesamtgewicht vor allem wenn Ihr zum Beispiel Euren Wocheneinkauf mit dem E-Rad transportieren wollt oder Kinder mitnehmen wollt. Auch “Schwergewichte” sollten auf das Tragfähigkeit des E-Rads achten.
Ein Elektrofahrrad muss ein gutes Fahrrad sein!
Klingt platt und simpel und ist die reine Wahrheit! Es hat wenig Sinn, sich ein Elektrofahrrad zu kaufen, wenn es für einen nicht die richtige Größe und Rahmenform hat, oder wenn schlechte Bauteile verwendet wurden. Besonders die Stabilität des Rahmens und die Qualität der Bremsen sollten gut sein, denn es treten wegen des Elektromotors größere Geschwindigkeiten und Kräfte auf, als bei einem normalen Fahrrad. Insgesamt greift man bei einem Elektrofahrrad etwas tiefer in die Tasche, deshalb sollte man auf langlebige und wartungsarme Bauteile achten- ein E-Rad mit tollem Motor, der wegen laschen Bremsen, funzleligem Licht und schlechter Schaltung zu einem vermeintlichen “Schnäppchen” gemacht wird, ist sicher kein dauerhafter Spaßbringer!
Zu den einzelnen Fragen haben wir Euch hier die wichtigsten Infos zusammen gestellt:
Radstand, Lenker, Sattel & Co. müssen zur FahrerIn passen und optimal auf sie/ihn eingestellt werden können. Wichtige Teile wie Bremsen, Schaltung und Licht müssen zuverlässig, langlebig und möglichst wartungsarm sein. Hier sollten nur Markenprodukte auf dem aktuellen Stand der Technik verbaut sein.
Und wo kann ich ein E-Rad kaufen?
Grundsätzlich kann auch ein Rad aus dem Supermarkt passend sein, es kommt eben auf die individuellen Bedürfnisse und Ansprüche an. Neben den zentralen Fragen von Antrieb, Motor und Akku muss jedoch besonders gefragt werden: welche Garantie bietet der Händler? Wie sieht der vor-Ort Service aus? Wie ist die Versorgung mit Ersatzteilen? Darüber hinaus sollten die Billig-Angebote besonders kritisch auf ihre Ausstattung überprüft werden: sind die Antriebe, Batterien/Akkus und sonstige Komponenten auf dem aktuellen Stand der Technik, oder wurde an der falschen Stelle gespart? Ein großes Argument für den Fachhandel und gegen den Supermarkt ist die Probefahrt. Wenn – egal wo – eine Probefahrt nicht möglich ist, sollten vor dem Kauf unbedingt die Umtausch- und Rückgabe-Konditionen geklärt werden.
Probefahrt
Auf eine ausgiebige Probefahrt solltet Ihr keinesfalls verzichten- am besten Ihr probiert mehrere verschiedene E-Räder mit unterschiedlichen Rahmen und Antrieben aus.
TIPP Sollte eine Probefahrt ausgeschlossen sein, beispielweise in einem Discounter, klärt unbedingt die Rückgabemodalitäten!
Tests
Der Verein „ExtraEnergy e.V.“ testet zweimal pro Jahr zahlreiche aktuelle Elektrofahrräder, der Test aus dem Herbst 2010 ist über die Extra Energy Seite downloadbar (hier- das Dokument ist recht und die Angabe einer E-Mailadresse ist obligatorisch), am 11.4.2011 startet der nächste. Die E-Räder werden auf dem eigenen Testparcours ausgiebig analysiert, Details wie den genauen Grad der Unterstützung oder die Reichweite in verschiedenen Fahrmodi werden über Tage beobachtet. Der Test ist der umfangreichste und am besten dokumentierte in Deutschland. Manch ein Hersteller hat sein E-Rad nach diesem Test noch einmal zurückgezogen und überholt.
Auch das Magazin „aktiv Radfahren“ veröffentlicht regelmäßig umfangreiche Test Sonderhefte (hier geht es zur Webseite).
Beide bieten einen aktuellen und breiten Überblick über den Markt, es werden allerdings nicht alles Räder getestet.
Was E-Räder (noch) nicht können
- Wetterproblem: Trikes oder Lastenräder die prinzipiell Regendach haben könnten, könnten eine Lösung sein, sonst Regenkleidung.
- Luft für Verbesserung gibt es noch bei der Effizienz der Motoren, dadurch könnten die Akkus länger halten. Eine bessere Motorensteuerung könnte auch den Fahrkomfort weiter verbessern.
- Auch beim Gewicht und der Nutzerfreundlichkeit der Displays werden in den nächsten Jahren noch Verbesserungen möglich sein.
- E-Räder sind relativ teuer, für eine Menge Menschen ist der Preis zu hoch. Aber die größeren Stückzahlen werden in Zukunft ggf. auch günstigere, gute Modelle ermöglichen.






