Ergonomie und Komfort

Wichtigstes Merkmal eines individuell passenden Fahrrads und genau so eben eines Elektrofahrrads ist die korrekte Rahmengröße und die richtigen ergonomischen Einstellungen an Sattel, Lenker und Anbauteilen. Sie entscheiden darüber, wie leicht und bequem es sich fahren lässt. Viele Radler fahren auf falsch eingestellten Fahrrädern und machen sich damit das Leben unnötig schwer- dann ist Radfahren tatsächlich unbequem. Wirklich heraus finden, ob ein Rad passt kann man zwar nur durch ausprobieren und Beratung beim Fachhändel, aber ein paar Grundsätze helfen bei der Vorauswahl.

Rahmenform

Diamantrahmen, Abbildung: Winfried Maschke

„Diamantrahmen“ (oft auch als Herrenrahmen bezeichnet) bietet hohe Stabilität. Man muss jedoch zum Auf- oder Absteigen das Bein über den Sattel heben, was z.B. älteren Personen Probleme bereiten kann.

Schwahnenhalsrahmen, Abbildung: Winfried Maschke
Schwahnenhalsrahmen, Abbildung: Winfried Maschke

Schwanenhals-“ oder „Wave-Rahmen bieten dagegen einen bequemen, tiefen Einstieg. Die fehlende Stange zwischen Sattel und Lenker/Vorbau ging früher oft zu Lasten der Rahmensteifigkeit, so dass die Rahmen oft verstärkt werden mussten und schwerer wurden. Durch die heute weit

Wave- bzw. Cityrahmen, Abbildung: Winfried Maschke

verbreiteten, sehr stabilen Alu-Rahmen ist dieses Problem allerdings nicht mehr relevant.

Trapezrahmen, Abbildung: Winfried Maschke

Einen Kompromiss bei der Rahmenform bieten „Trapez-“ oder „Mixte-Rahmen die mittelhoch sind

Untypische Rahmenformen

Für Elektrofahrräder bieten auch eher ungewöhnliche Rahmenformen sehr gut an, hier einige Beispiele

Kompakt und Faltrahmen

Diese Rahmen sind mit einer geeigneten Übersetzung hervorragend zu fahren und sehr variabel einstellbar- man kann sie als echtes „Familienrad“, da sie sich auf ganz unterschiedliche Größen einstellen lassen. Dazu haben sie den Vorteil, kleiner und leichter zu sein als herkömmliche Rahmen. Das Auf- und Absteigen, oder sicher Stehen an der Ampel ist mit solchen Rahmen ebenfalls kein Problem.

Rahmen für Lastenräder

Wenn der Elektromotor läuft, dann fährt sich natürlich auch ein sonst vielleicht etwas schwergängiges Lastenrad leichter. Lastenräder könnten gut und gerne zur wichtigsten Art der Elektroräder werden- Kindertransport, größere Einkäufe, Getränkekisten, Arzt- oder Werkzeugkoffer. Kein Problem!

Rahmen mit extra tiefem Durchstieg

Für Menschen, die besonders leicht auf- und absteigen möchten gibt es spezielle Rahmen, die ähnlich wie ein „Wave-Rahmen“ aussehen, aber in der Mitte extra tief gebaut sind. Dadurch ist der Auf- und Abstieg leichter und auch an der Ampel bekommt man den Fuß sicher auf den Boden.

Alle Abbildungen sind von Winfried Maschke zur freien Verwendung erstellt, Quelle: http://damen- rahmen.de/index.php/impressum.html

Die richtige Rahmengröße

Zur Bestimmung der richtigen Größe eines Fahrrads wird die Rahmenhöhe als Orientierung verwendet (Entfernung zwischen dem Mittelpunkt des Tretlagers und der Oberkante des Sattelrohrs in Zentimetern). Eine genaue Formel gibt es aber nicht, schon allein deshalb, weil das Sattelrohr in unterschiedlichen Winkeln angeordnet sein kann. Zwei Dinge Zur Orientierung:Die richtige Sattelhöhe, Foto: Marcus Gloger

  1. Der Sattel sollte so hoch sein, dass das durchgestreckte Bein im tiefsten Punkt der Kurbelumdrehung mit der Ferse noch gut an die Pedale kommt. Beim Treten sollten die Knie nie durchgestreckt sein, sondern stets leicht angewinkelt bleiben. Werden die Beine dagegen nicht annähernd gestreckt, kostet das Radeln mehr Kraft.
  2. Befinden sich die Pedale in horizontaler Position (also beide auf gleicher Höhe, eins vorne, eins hinten), sollte die Kniescheibe des vorderen Beins in etwa über der Achse des Pedals liegen und das Schienbein senkrecht stehen. Der Fuß sollte dabei mit dem Ballen auf dem Pedal stehen.

Die Reifengröße (etwa 26 oder 28 Zoll) ist nicht relevant. Auch Kompakt- oder Klappräder, mit sehr kleinen Laufrädern, sind bei ausreichender Sattel- und Lenkerhöhe sind für große Radler geeignet. Mit der richtigen Übersetzung sind die kleinen Räder auch nicht langsamer.

Die Höheneinstellungen an Sattel und Lenker sind vor Allem für die Feinjustierung wichtig außerdem kann man damit nach Bedarf umstellen: Für eine längere Tour empfiehlt sich bspw. eine sportlichere Einstellung (das heißt steilere Sitzposition) als bei kurzen Strecken in der Stadt.

Sitzposition

Die Sitzposition entscheidet darüber, wie das Körpergewicht auf Sattel (Gesäß), Lenker (Hände) und Pedale (Füße) verteilt ist. Neben der richtigen Rahmenhöhe ist sie deshalb der Faktor, der darüber entscheidet, ob man sich auf seinem Rad wirklich wohl fühlt und längere Strecken fahren kann. Für jede Position gilt: Ideal ist eine S-förmige Haltung des Rückens, d.h. leichtes Hohlkreuz, aufgerichteter Brustkorb (keine nach vorne hängenden Schultern) und gerade Halswirbelsäule.

Hier eine Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Sitzpositionen

Aufrechte Sitzposition (etwa wie auf einem Holland-oder Cityrad)

In dieser Position tritt der Radler eher nach vorne als nach unten. Die Belastung auf den Pedalen ist recht gering, dadurch ist die Kraftübertragung nicht optimal. Allerdings ist der Sattel näher am Boden positioniert. Bei kurzen Stopps (z.B. an einer Ampel) kommt man so mit den Füßen gut auf den Boden, was für Viele neben dem tiefen Durchstieg wichtig für die Bequemlichkeit ist. Auch hat man in dieser Haltung einen guten Überblick im Verkehr. Ein weiterer Vorteil beim aufrechten Sitzen ist, dass auch auf dem Lenker nur wenig Gewicht aufliegt, dadurch werden die Handgelenke wenig belastet: Fast das gesamte Körpergewicht „sitzt“ auf dem Sattel und damit auf der Wirbelsäule. Auf längeren Strecken ist diese Position aus diesem Grund nicht gut für den Rücken. Besonders wenn das Becken nach hinten sackt („runder Rücken“), wirkt jede Unebenheit direkt auf die Wirbelsäule. Ein aufrecht gefahrenes Rad sollte deshalb zur Schonung der Wirblesäule mit einem vergleichsweise breiten, gefederten Sattel, „Ballonreifen“ und möglicherweise eine gefederte Sattelstütze ausgestattet sein.

FAZIT: Eine aufrechte Sitzposition ist besonders auf kurzen Strecken und für nicht sehr geübte Radfahrer empfehlenswert. Auf längeren Strecken ist die Belastung der Wirbelsäule hoch.

Geneigte Sitzposition (etwa wie auf einem Trekkingrad)

Der Hauptvorteil dieser Haltung ist, dass das Körpergewicht gleichmäßiger verteilt wird. Dadurch werden deutlich mehr Muskelpartien beansprucht. Die Wirbelsäule wird weniger belastet und die Kraftübertragung auf die Pedale ist besser als bei aufrechter Sitzposition. Bei höheren Geschwindigkeiten macht sich auch der geringere Luftwiderstand bemerkbar. Allerdings erfordert die Belastung von Handgelenken und Oberkörper (Nacken und Schultern) etwas Übung bzw. Training.

FAZIT: Eine geneigte Position ist für längere Strecken und höhere Geschwindigkeiten ideal, erfordert aber ein gewisses Maß an Training.

Sportliche/“Sportive“ Sitzposition (etwa wie auf einem Rennrad oder Mountainbike)

Bei dieser Haltung ist der Oberkörper sehr stark geneigt (der Sattel ist höher als der Lenker), dadurch ist die Kraftübertragung auf die Pedale optimal und der Luftwiderstand minimal. So zu fahren erfordert gut ausgebildete Muskulatur in Rücken, Schultern und Bauch. Die Belastung der Handgelenke ist hoch.

FAZIT: Die sportive Haltung ist für trainierte, sportliche E-Radlerinnen und Radler geeignet.

Komfort beim Fahren

Regelmäßiges Schalten hilft, es sollte immer ein Gang eingelegt sein, der leichtes Treten möglich macht. Ein zu schwerer Gang belastet die Knie über die Maßen.

Der Sattel hat ebenfalls große Bedeutung für den Fahrkomfort. Es lohnt sich, einen Sattel länger zu testen, eigentlich weiß man erst nach ein paar Tagen, ob es der richtige ist. Idealerweise erlaubt ein E-Radhändler ihn nach einigen Tagen noch zu wechseln. Ganz wichtig:

  • Die Sitzhöcker (im Gesäßbereich) sollten gut auf der Sattelfläche positioniert sein
  • Weiche Sättel werden oft erstaunlich schnell unbequem

Federung

Vor einigen Jahren waren vollgefederte Fahrräder sehr beliebt. Dieser Trend geht mittlerweile wieder zurück. Federungen an der Gabel oder sogar „Full Suspension-“ Federungen, die in den Rahmen integriert sind, erfordern regelmäßige Pflege und nur die besseren, also auch teureren funktionieren auch gut. An sehr günstigen Fahrrädern verbaute Federungen sind oft Schrott, sie funktionieren nicht mal wenn sie ganz neu sind und sind dazu auch noch schwer!

Gute Dämpfung erreicht man leichter durch breite „Ballon“-Reifen, die mit niedrigerem Druck gefahren werden können und dabei trotzdem leichtläufig sind.

Die Lenkerform ist ebenfalls von Bedeutung, je nach persönlichen Vorlieben kann er gerade geschnitten bis stark gekrümmt sein. Von besonderem Vorteil sind ergonomische Handgriffe, auf denen ein großer Teil der Handfläche aufliegt. Diese Griffe wirken der Ermüdung der Handgelenke entgegen.

Weitere Informationen:

Ergo Tec: Richtig Radfahren. Abzurufen unter: http://www.saar-rad.de/userfiles/file/Ans_Ergonomieberater_210x297_HU.pdf

6 comments

  1. Warum geht man hier auf dieser ansonsten sehr informativen Seite kaum oder gar nicht auf Riemen- oder Kettenantrieb ein?

  2. Guten Tag, ich bin ganz neu hier und mit fast 73 auch nicht mehr der Jüngste im Bunde…dennoch sportlich und noch täglich mit dem Rad unterwegs. Mit 1, 90 M und fast 100 Kg leider wohl auch kein Durchschnittsradler ….

    Aber ein „zusätzliches“ E-bike würde mich schon reizen. Viel habe ich hier auf dieser ausgezeichneten Seite schon gelesen und gelernt. Da die guten Räder nicht eben billig sind, wäre ich sehr an einem langen Ausprobieren , ca. 1 Woche pro Rad, interessiert.

    Klar, dass man dafür wie bei einem Mietwagen auch bezahlen muss. Ich bin in Bonn zuhause, würde aber auch in Köln und Umgebung mieten, wenn die Konditionen stimmen. Danach würde ich dann einen Kauf bei einem Fachhändler mit gutem Service in Erwägung ziehen

    Vielleicht hat ja einer von Euch eine Idee

    Im Voraus besten Dank

    Klaas

  3. Schön, allerdings fehlen noch die Liegeräder – vom Einspurer (da sind vermutlich wenige mit Motorisierungsbedarf) , Trikes, bis hin zum Velomobil (hier gibt es auch käufliche mit 45km/h Motorisierung: Alleweder 4, Alleweder 6 und Leiba Hybrid).
    Je nach Anwendung sind beispielsweise Velomobile den normalen Fahrrädern deutlich überlegen: schneller, guter Wetterschutz – ideal für längere Strecken!

    1. Danke! Ich habe mich mit Liegenrädern, Trikes und den geschlossenen Varianten noch nicht so viel auseinander gesetzt. Werde das aber tun- kannst mir auch gerne Infos zu mailen…
      Grüße!

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