Tanna ist kein Ponyhof!

Einfach am Datum zu erkennen: es ist immer noch April! Tanna liegt auf stolzen 542m Höhe und die Hochebene auf den drei Kilometern Teststrecke nach Zollgrün, auf gut 600m. Heute blieb man da oben trotz Motorunterstützung fast stehen, so heftig pfiff einem der Wind entgegen. Mir war nachts schon aufgefallen, wie kalt es ist, aber erst die kurze Phase mit Schneeflocken heute Vormittag hat mir klar gemacht, dass wir hier noch von (fast) Frost reden! Frühlings-Radeln? Ha! Nicht im Gebirge zwischen Frankenwald, Fichtelgebirges und Thüringer Wald.

Und auch wenn der Ort selbst im geschützten Talkessel liegt, steht fest: Tanna ist kein Ponyhof.

Kein Ponyhof: Kirche, Rathaus und alte Schule in Tanna, Foto: Panoramedia

 

Schnelle E-Räder und gute Komponenten

Gott sei Dank hatte ich heute kaum Probleme mit Messetechnik und somit mussten bis auf einen kleinen Ausfall keine Fahrten wiederholt werden. Bei diesen Extrembedingungen wäre das hart an die Psyche gegangen 😉 So waren die Fahrten heute wieder eine Freude. Das Schmankerl war ein S-Pedelec mit Panasonic Mittelmotor: Das ist noch mal was anderes. Denn während ein normales E-Rad eben bei 25km/h aufhört und damit, wie gestern beschrieben, vor Allem eine Stop and Go Hilfe, bzw. ein Berg-Bezwinger ist, bringt ein schnelles E-Rad einen auf allen Streckentypen in Geschwindigkeitsbereiche, die man ohne Motor nicht erreichen würde! Mein Eindruck ist, dass diese Fahrzeugklasse für Menschen mit längeren Arbeitswegen oder überhaupt längeren täglichen Strecken eine wirklich gute Lösung ist. Ganz zu schweigen von der Spaß-Fraktion, die es einfach abgefahren findet, mit 35 km/h durch die Stadt zu radeln. Mit so erreichbaren Durchschnittsgeschwindigkeiten von ca. 25-30km/h in der Stadt, wird das Auto endgültig abgehängt (hier nachrechnen).

Weiter habe ich den Eindruck, dass die meisten der Testräder gute Fahrräder sind, meist vernünftige Gesamtkonzepte. Es werden gute Teile verbaut- Scheiben- oder hydraulische Bremsen, hochwertige Schaltungen etc. Manchmal scheint das schon zu viel; eine 27 Gang Shimano XT Schaltung an einem Touren E-Rad? Eine Scheibenbremse vorne in Kombination mit einem reinen Rücktritt hinten? Gabelfederung an Rädern bei denen man fast komplett aufrecht sitzt? Man könnte den Verdacht hegen, es ginge manchmal eher um Werbeeffekte als um nutzerfreundliche, wartungsarme E-Räder. Aber, das ist fast ein Luxusproblem, lieber so, als Schrott mit Motor. Die Fahreigenschaften bei ausgeschaltetem Motor können sich bspw. meist sehen lassen.

Sportlich, sportlich der „Sportmodus“

Eines finde ich allerdings fast so nervig wie schlechte Displays: die Marotte, den stärksten Unterstützungsmodus „Sport“ zu nennen. Der Motor prescht einen bei dieser Einstellung auf min. 25km/h, ohne das man wirklich was tut. Nun, das ist toll! Es ist KOMFORT, es ist BEQUEMLICHKEIT oder LUXUS, vielleicht auch SPEED… Aber es ist völlig verdreht, diesen Modus „SPORT“ zu nennen. Diesen Quark muss sich die Branche von der Autoindustrie abgeschaut haben. Da soll sich ja auch jeder (mit welcher körperlichen Aktivität auch immer) „sportlich“ fühlen wenn er mit 180km/h, 200PS und 15 Liter Spirt-Verbrauch über die Autobahn fährt, oder mit 95 Sachen in die Kurve am Ortseingang.. ne, ne, ne. Das ist vieles, aber nicht sportlich! Solche Sinn-Verdrehungen haben etwa „so viel Stil wie ein Cornetto-Eis…“*

*frei nach den Absoluten Beginnern, „Geh bitte!“ auf dem Album Bambule

 

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