Wind of Change am Bosch-Tag?

Argghhh… nein, Gott sei Dank und keine Sorge: Ihr müsst das Lied nicht anhören. Aber heute ist hier das Oktoberfest-Sommerwetter weg gepustet worden. Jetzt ist es nass und kalt.

Bosch-Tag

Standen die letzten beiden Tage noch voll im Zeichen des Referenzrads und des Panasonic 36 Volt Motors, so waren heute eine ganze Reihe Räder mit Bosch System dabei, deutlich mehr als beim April Test. „Da hat sich Qualität durchgesetzt“, kommentierte Stefan, einer der Testfahrer diese Entwicklung. Denn auch wenn Panasonic aufgeholt hat, der Bosch-Antrieb ist auch weiterhin der kräftigste und effizienteste Antrieb, so viel kann man jetzt schon beinahe sicher sagen.

Allein 5 Bosch Räder im Test sind mit tiefem Durchstieg oder Trapez-Rahmen, sehr ähnlich dem Le Mans von Victoria, dem VSF Rad oder dem Panther TE-999 aus dem April Test. Die Akkupositionierung unter dem Gepäckträger die im April nur das VSF Rad hatte, hat ebenfalls rege Nachahmung gefunden. Dieser Typ Rad steht also offensichtlich besonders hoch im Kurs. Ich hab sie alle gefahren und hatte dabei Gelegenheit, mich auf die Details zu konzentrieren – zuerst mal wollte ich wissen, ob man mit dem Bosch in allen Gängen auf die Unterstützungs-Grenze von 25km/h kommt (genau genommen liegt sie bei 26,7km/h). Der Test zeigte, dass es geht: die Abreglung hängt also allein vom Geschwindigkeitssensor ab 😉 …

Komponenten

Nun wie bereits angedeutet, der Bosch Motor ist derzeit das Maß der Dinge und daher fahren sich auch alle Bosch-Räder ganz gut, doch: So gleich sie bzgl. Rahmen und Motor seien, so unterschiedlich sind die restlichen Komponenten und bei weitem nicht jedes Detail ist durchdacht… Ein paar Beispiele:

1.) Schaltung

Am Berg macht es einen Riesenunterschied ob mit einer Shimano 8- oder 11-Gang Nabe oder mit einer Kettenschaltung gefahren wird. Eine Kettenschaltung schaltet unter der Zug-Belastung des Mittelmotors deutlich schneller. Auf dem gut 12% steilen Bergstück der Teststrecke schafft man damit die 26,7km/h, mit Nabenschaltung ist das kaum zu machen.

Macht sich bezahlt: Kettenschaltung am Bosch-Motor, Foto: e-Rad Hafen

2. Federungen

Eines der Bosch Räder hatte Sattel- und Gabelschaftfederung, die man praktisch nicht bemerkte. Wohl ein reines „pro-Verkaufsadditiv“, eine gewichtige Zierde ohne Funktion. Bei einem anderen dagegen  waren die Federungen angenehm und erhöhten den Komfort spürbar (siehe Fotos). Ein drittes dagegen kam mit stark gebogenem Lenker, aber mit ungefedertem Rahmen und die dünnen Reifen daher. Vollkommen aufrecht sitzend konnten die Lendenwirbel Kiesel-Zählen und ich wollte von diesem Rad möglichst schnell wieder runter – mit oder ohne Bosch…

Fast nutzlose Schaftfederung an einem Bosch-Rad, Foto: e-Rad Hafen
diese Federung dagegen: Federt. Foto: e-Rad Hafen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Klingelstreiche

Tja, die Montage: ein Display kann da schon mal Verwirrung stiften, wo hin mit diesem neuen Element? So dass es nicht stört! Man also noch bimmeln schalten und walten kann… so geht es:

kleverklingeln direkt am Bremshebel, Foto: e-Rad Hafen

So geht’s nur über Kreuz oder mir ganz großen Händen am Display vorbei:

Wer will schon klingeln - Mund auf! Foto: e-Rad Hafen

 

Rahmen und Motor sind nicht alles

Wer einen Bosch-Antrieb kauft, hat einen guten Antrieb, da den aber mittlerweile sehr viele Hersteller haben, lohnt es beim Fachhändler einen genauen Blick aufs Gesamtkonzept des Rads zu werfen…

Beim Händler des Vertrauens auf Details achten... Foto: e-Rad Hafen

 

 

0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes

8 comments

  1. Ja ich bin die stufenlose NuVinci schon mal am Flyer Cargo gefahren (quasi ein leicht Lastenrad), auch an einem Victoria „Vicky“, das fand ich am Berg jeweils ziemlich gut. Also ohne hakeln. Eine Rohloff hoffe ich in den nächsten Tagen zum testen an einem Flyer e-Rad zu bekommen…

  2. Hattest du schon Gelegenheit, das Schaltverhalten unter realistischen Bedingungen mit einer NuVinci oder Rohloff zu testen? Abgesehen vom hohen Gewicht scheint mir die NuVinci ideal für Pedelecs zu sein, gerade mit der neuen automatischen Schaltfunktion. Ich habe sie allerdings bisher nur auf einer Messe probefahren können – unverstromt.

  3. Zunächst möchte auch ich „admin“ mal bestätigen. Am Berg macht es definitiv einen riesen Unterschied, ob man ein Rad mit Kettenschaltung (mit Steighilfe) oder Nabenschaltung hat. Eine gute Kettenschaltung funktioniert sauber unter Last und bringt einen große Vorteil für einen gleichmäßigen Vortrieb. Im Stadtverkehr mag das natürlich anders aussehen. Es ist letztlich ja auch eine Frage der persönlichen Präferenz.

    Beim Verschleiß sollte man die Nutzungsbedingungen mit betrachten. Und einen Übersetzungsbereich von 500% und mehr braucht im Übrigen beim gewöhnlichen Elektrofahrrad kein Mensch!

    Eins noch zur Anordnung der Elemente am Lenker. Es gibt leider eine ganze Menge Hersteller, die auf eine ergonomische Funktion der Bedienkomponenten am Lenker viel zu wenig Wert legen. So sind die Bremshebel oft viel zu nah am Griff angeordnet, was der Formngebung der Bremsgriffe eigentlich widerspricht. Und bei der Klingelanordnung im unteren Bild müßte man wohl Hände wie Paganini haben!

    @ admin: Die Testtage in Tanna waren übrigen wieder super! Bis bald.
    Gruß
    Burkhart

  4. Ich will auch gar nichts grundsätzlich gegen Nabenschaltungen sagen, man fährt ja auch nicht ständig 12% Steigung und will dabei schnell sein.
    Trotzdem: Im Vergleich ist eine gute Kettenschaltung am Berg schneller als eine Alfine. Das merkt man im Vergleich sehr deutlich.

  5. Naja, was nutzt der große Übersetzungsbereich einer Nabenschaltung, wenn ich ihn dann wenn es am wichtigsten ist, am Berg, nur mit einer Trittpause schalten kann.
    Beim Verschleiß hast Du Recht. Wer partout möglichst wenig Wartung haben will, sollte eine Nabenschaltung fahren 😉

    1. Mit meiner Alfine 8-Gang habe ich ( bisher ) keine Probleme. Und auch einer Kettenschaltung sollte man unter Volllast am Berg beim schalten ein Päuschen gönnen..

  6. Man sollte aber darauf hinweisen, das bei einer Kettenschaltung nur die Kasette nutzbar ist, das Kettenblatt ist ja nur eins. Der Übersetzungsbereich der Nabe kann dann nur mit dem der Kasette verglichen werden.
    Außerdem ergibt sich zwangsläufig bei Kettenschaltung ein größerer Kettenverschleiß als bei einer Nabenschaltung durch den Schräglauf. Der kräftige Bosch_Motor tut ein übriges…
    Gruß Peter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.