Über Berührungsängste und die Mobilität der Zukunft – riese und müller im Interview zur IAA

Wie bereits letzte Woche berichtet sind auf der diesjährigen IAA eine Menge e-Räder zu sehen. Neben den Studien und Prototypen verschiedener Autohersteller, sind auch reine (e-)Fahrradhersteller unter den Ausstellern in der Halle der Elektro-Mobilität. Zudem hat die ZEG (Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft) auf dem Freiluftgelände der Messe einen Truck aufgebaut.

Die erste Woche der IAA ist fast vorüber – über Ziele und bisherige Erfahrungen hat der e-Rad Hafen hat sich mit Tobias Spindler von riese und müller unterhalten.

e-Rad Hafen: Frankfurt ist nicht weit von Euch (riese und müller kommt aus Darmstadt), trotzdem: Wie kamt Ihr auf die Idee, auf die IAA zu gehen, woher der Kontakt zur IAA?

 

„Die Mobilität der Zukunft setzt sich aus vielen verschiedenen Bausteinen zusammen – Berührungsängste schaden da eher.“


Tobias Spindler: Wir sind als Teilnehmer am Projekt bike and business 2.0 durch die Modellregion Elektromobilität Frankfurt Rhein Main mit dem Thema der Elektromobilität allgemein sehr gut betraut und in der Region gut vernetzt. Wir sitzen auch in verschiedenen Arbeitskreisen und wirken aktiv an dem Thema mit. In den Arbeitskreisen tauchen natürlich auch immer wieder viele Autos, Busse und andere größere Fahrzeuge auf, die elektrisch betrieben werden. Insofern ist uns das alles gar nicht fremd. Die Mobilität der Zukunft setzt sich aus vielen verschiedenen Bausteinen zusammen – Berührungsängste schaden da eher. Gerade in den Arbeitskreisen gibt es regen Austausch und die meisten sind darauf fokussiert, voranzukommen und das E-Thema voranzubringen, unabhängig davon, welche Art Fahruntersatz man jetzt baut oder entwickelt.

e-Rad Hafen: Gab es bisher und im Vorfeld Reaktionen der anderen Hersteller auf Euren Messe-Auftritt?

Tobias Spindler: Nein, da ist uns nichts bekannt.

e-Rad Hafen: VDA Chef Wissmann stellt die Halle vor mit den Worten: „sie zeigt zum ersten Mal die ganze Wertschöpfungskette beim Elektroauto“. Auch im Weiteren Bericht zur Halle kein Wort über e-Räder. In den Medien bisher ein ähnliches Bild. Kaum einer schreibt über Euren Messeauftritt. Überrascht Euch das? Wie ist der Eindruck am Stand?

Tobias Spindler: Die beiden Pressetage waren sehr gut, hier hatte ich mehr Neukontakte als an irgendeiner anderen Messe. Das ist aber auch nicht verwunderlich, denn die IAA ist eine der weltweit bedeutendsten Messen – das steht völlig außer Frage. Die Dimensionen dort sind einzigartig. Über unseren Messeauftritt wurde berichtet. Das Darmstädter Echo hat einen sehr langen Absatz in einem großen IAA-Trendbericht gebracht, das Handelsblatt war vor Ort und Hitradio FFH hat auch ein Interview mit mir gebracht. Ansonsten gab es noch jede Menge neue Kontakte. Prima Resonanz!

e-Rad Hafen: Wie sind die Reaktionen anderer Aussteller, werdet Ihr belächelt oder mit Interesse, Sympathie, oder gar Argwohn begrüßt?


„Überhaupt scheint die Autobranche weniger Berührungsängste zu haben, als umgekehrt.“


Tobias Spindler: In der Halle 4 sind sowieso alle sehr offen. Überhaupt scheint die Autobranche weniger Berührungsängste zu haben, als umgekehrt. Wir fühlen uns willkommen und man sollte nicht zu viel Wert auf dieses Branche-versus-Branche-Ding legen. Die Autobauer scheinen da viel entspannter zu sein, da sie das mehr als ein Technologiethema sehen und nicht so sehr als Ideologie-Thema.

e-Rad Hafen: Was sagen  „normale“ Besucher, für welche Räder interessieren sie sich (welche fahren sie Probe)?

Tobias Spindler: Alle Modelle sind gefragt. Das ist abhängig für welche Einsatzzwecke es der Kunde nutzen will. Probefahrten bieten wir leider nicht an. Vor der Halle steht ein ZEG-Truck, der trotz seiner Größe neben dem Audi-Pavillion völlig untergeht. Auf der IAA wirkt das wie Kirmesprogramm. Da ist alles so riesig, dass man sich genau überlegen sollte, wie man sich da präsentiert. Wir sind mit einem kleinen aber feinen und aufgeräumten Stand sehr zufrieden.

e-Rad Hafen: Mit welchen Argumenten überzeugt Ihr Messebesucher von Euren Produkten?

Tobias Spindler: Kosten, Stau, Stress, Gesundheit, Lebensfreude, Parkplätze, Zufriedenheit, Fakten aus der sozialwissenschaftlich-technischen Begleitforschung von bike and business 2.0.

e-Rad Hafen: Wie waren die ersten Publikumstage, kommen andere Leute als auf den Radmessen? Wonach fragen die Leute?

Tobias Spindler: Das Wochenende war super! Klar, es kommen andere Leute… und sie stellen ähnliche Fragen wie sonst auch….

 

e-Rad Hafen: Na dann, vielen Dank für die Einblicke und viel Spaß noch auf der Messe!


Tobias Spindler
Unternehmenskommunikation
riese und müller GmbH

ADFC Kreisfahrt und Wahlen (beides Berlin)

Ich bin also der erste, der über das schöne Blogger und Kommentaristen Kennenlernen gestern auf der ADFC Kreisfahrt berichtet:

Bestes Wetter war es, endlich Raum auf der Fahrbahn, vom Potsdamer Platz ging es über Skalitzer, Warschauer, Landsberger, Prenzlauer, Westhafen, Ernst Reuter Platz, Ku’Damm einmal rum um Berlin. Auch wenn es eng war, es lief flüssig und fluffig, da können Autos nur von träumen. Mir hätte ein bisschen mehr Lärm nach dem Motto: Wir sind hier und wir wollen mehr Platz für den Radverkehr auch im Alltag! gut gefallen, aber auch so war es sicher hilfreich mit geschätzten 2000 Leuten auf Fahrrädern präsent zu sein.

Gute Gelgenheit mal wieder Kalle vom Radspannerei Blog und Andreas von BikeBlogBerlin zu sehen, sowie BerlinRadler, Michael und reclaim, kennenzulernen. Sie haben alle erfolgreich an der Diskussion um meinen Gastbeitrag zu e-Rädern neulich bei der Radspannerei teilgenommen.

Nach so viel heißer Cyber-Diskussion war das Kennenlernen irgendwie spannend. Da ich aber wegen des Mottos „CO2-frei unterwegs – Deine Energie für bessere Mobilität“ mit meinem City-Rad ohne Motor unterwegs war, kam keine erneute Diskussion zu stande… Die Sonne schien weiter prächtig und es war deshalb auch ansonsten alles Wolke.

Hier ein paar Bilder

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Man merkt ihnen an, dass ich mich eher unterhalten habe als auf die Motive zu achten ;-), dennoch interessante Räder sind es allemal. Wer mehr sehen möchte, BikeBlogBerlin-Andreas hat hier die besseren Fotos! Falls jemand die Bilder verwendet, selbstredend ihn als Bildquelle angeben (© BikeBlogBerlin).

Wahlen in Berlin

Und wenn wir schon mal bei der Nabelschau sind: Heute wurde auch gewählt hier in Berlin. Vor meinem Wahlbüro war eine Schlange! Allerhand, wie ich fand. So wie es aussieht bleibt Präsident Wowereit im Amt, aber die Grünen dürfen statt der Linken mit tun. Renate Künast wird trotzdem wieder in den Bundestag radeln (??) und die FDP gehört nun endgültig zu den vom Aussterben bedrohten, jedoch nicht notwendigerweise schützenswerten Arten. Naja, vielleicht wird ja im Kreissaal bald das (Fahr)rad neu erfunden und die FDP als Partei mit verständlichen Wahlplakaten wieder geboren. Man weiß ja nie. Überraschend für alle, außer mich: Die Piraten haben es scheinbar in den Kreml geschafft! Mich überrascht das deshalb nicht, weil es

1 . bei mir um die Ecke seit ein paar Monaten ein Parteibüro gibt, das Eis im Namen der Piraten verkauft – das Business läuft kann ich sagen.

2. für jemanden aus dem Hafen immer leichter ist, Piraten schon früh zu erkennen und richtig einzuschätzen

Ausblick

Von der süßwasser-Piraten-Opposition kann man nicht unbedingt Impulse was den Radverkehr betrifft erwarten. Welcher Pirat fährt schon Fahrrad? Da baue ich eher auf ein Politik-Programm-Wikipedia, das kollektive Intelligenz zu nutzen versteht (Wahlplakat: Wir sind die mit den Fragen, ihr die mit den Antworten), oder die Offenlegung der Privatisierungsverträge der Berliner Wasserbetriebe. Das wäre auch schon mal was. Verlangen kann man überlegte Radpolitik wiederum von den Grünen. Aber eine Partei die in HH als Regierungspartei Moorburg mit trägt, kann auch die A100 als Sachzwang darstellen. Ich mahne schon mal. Man darf gespannt sein.

Ahoi Berlin!

Spieglein, Spieglein in der Hand, wer schreibt am wirrsten…

… im ganzen Land? Jawoll, das Team aus 10 (in Worten: ZEHN) Spiegel-Radverkehrsexpert_innen die gemeinsam das dieswöchige Titelthema beackern:

Der Straßenkampf – Rüpel Republik Deutschland

Titel des Artikels: „Das Blech des Stärkeren“. Über diesen 8-Seiter möchte der Hafen ein paar schnippische Worte verlieren, auch wenn die e-Räder auf der IAA gerade spannender sein mögen.  

„Das Blech des Stärkeren“ Abstract – Synopsis – Zusammenfassung

Vorneweg der Artikel bringt insgesamt viele richtige Sachverhalte hervor, hier mal ganz kurz und knapp: Der Radverkehr nimmt zu, Rad ist hipp. Alle wollen radeln, das ist gut so (Umwelt, Platz, Sicherheit etc.). Die Infrastruktur ist wegen Jahrzehnten der Auto orientierten Verkehrspolitik aber nicht darauf ausgelegt. Das muss sich ändern. Und weil Radler weder auf Fahrbahn, Bürgersteigen noch auf Busspuren genug Platz haben, werden viele Menschen sauer oder fühlen sich bedroht. Oft auch die Radfahrer selbst, die sich noch öfter nicht an Regeln halten.

Irgendwie müssen wieder mehr nette Umgangsformen her. Denn der Kampf um Platz und die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft sorgen sonst für immer mehr Eskalation im Alltagsverkehr: Ich zuerst, ich, ich, sonst gibts schlimm Haue!

Das Auto verliert als Statussymbol an Bedeutung und Deutschland wird von einer Autonation zum Radlervolk. Die Politik kürzt dennoch munter am Radbudget im Bundeshaushalt, fährt dicke Schlitten, kennt das Fahrrad nur aus dem Fernsehen… und Frau Merkel begrüßt die IAA persönlich, statt mal ein Zeichen zu setzen.

Alles klar? Soweit so gut? Und wat nu?

Der Rest vom Fest

Was nutzen richtige Inhalte wenn sie im falschen Kontext stehen? Der Artikel ist wie gesagt acht Seiten lang und das liegt nicht nur an den vielen Fakten, Fakten, Fakten die die teils richtige Aussagen belegen. Nein, leider. Der Spiegel-Text ist umhüllt und aufgebläht, er strotzt vor widerspenstiger und widersprüchlicher Polemik á la: Radfahrer-Rowdys, die unschuldige Menschen reihenweise, wahllos und tätlich angreifen. Wahnsinnige radfahrende Scharen, ohne Licht und Bremsen, für die Ampeln nicht zählen, die genüsslich nebeneinander fahren, nur um Autos  zum Schleichen zu zwingen…

Nach dem Motto: Deutschland 2011 = Radikaler-Rad Horror!

Beschriebene Tiraden werden zwei Seiten später lapidar gebremst: Radfahrer sind überproportional häufig von schweren Unfällen betroffen. Keine Dutzenden Prügel-Opfer von Rad-Rowdys? Kein Wort zu Auto Totalschäden wegen schlagen aufs Autodach? Vom Raser-MTB überfahrene Kinder? Fehlanzeige. Wie ausgesprochen wenige Unfälle schlechte Beleuchtung oder -Bremsen am Rad als Ursache haben, steht auch nicht im Artikel. Die Polemik würde sonst auch noch alberner.

Buntes Wollknäuel statt roter Faden!

Es ist seltsam, wie ein Text widersprüchliche Teil-Argumentationen so neben- und ineinander verstricken kann. Scheint fast als hätte jede_r der 10 Autor_innen ohne Absprache immer reihum einen Absatz geschrieben.

Leider fangen auf Seite eins die an, die diese abstruse Gewalt-Radler Story glauben machen wollen, zum Ende wird es etwas besser. Man muss aber befürchten, dass viele das Werk aus purem Selbstschutz nicht zu Ende lesen und dann mit Schaum vorm Mund dem nächsten Radler, der keine Warnweste trägt und ohne Tagfahrlicht fährt …

„Fahrräder stinken nicht.“

So nüchtern und wahr dann der letzte Satz. Happy End also? Und das nach den acht Seiten Buchstaben gewordenen Debatten-Wirrwarr, den Nebelkerzen und herbei geschriebenem Verkehrs-Splatter. Puh, möchte man sagen. Und als Berliner im Sinne der Bergpartei hinzufügen:

Fahrräder brennen auch nicht!

Nee, lieber SPIEGEL, der Artikel ist nun wirklich keine Glanzleistung und wird nicht viel beitragen zur Debatte um eine zukunftsfähige, „friedliche“ und menschenfreundliche Mobilitätsentwicklung. Schade eigentlich, die Fakten kennt Ihr ja scheinbar sehr gut. Von Deinen Online Rad-Schreiber_innen ist man besseres gewohnt. Zum Glück les ich sonst meist die.

Die Anderen

Eine stärker auf die Inhaltlichen und weniger auf die Form fokussierte Auseinandersetzung mit dem Artikel, mitsamt Lösungsvorschlägen und zahlreichen Belegen für die tatsächlichen Konflikte mit und um den Radverkehr findet Ihr übrigens hier: www.zukunft-mobilitaet.net/6427/strassenverkehr/das-blech-des-staerkeren-spiegel-kritik

Weiter hat sich auch  der Blog www.48zwoelf.de mit dem Artikel auseinander gesetzt.

 

IAA und e-Räder (Pedelcs/E-Bikes) II

Dass e-Räder auf der IAA zu sehen sind und warum das gut ist, habe ich hier berichtet. Heute ein genauerer Blick auf die Räder.

riese und müller fährt die ganze so genannte hybrid-Palette auf. Allen voran die neuen Modelle mit dem Bosch-Antrieb. Drei Modellreihen das Culture, Homage und Delite stattet riese und müller damit aus (siehe auch meinen Bericht von der Eurobike). Auch der schnelle Bosch Motor, der bis max. 45km/h unterstützt, ist dabei. Dazu die bekannten Front-Antrieb Räder mit TranzX Motor und die Hinterrad-Ausführungen mit dem BionX Motor. Die Ausstattungen sind sehr variabel.

Bei Flyer werden, wie auf der Eurobike, die neuen 36V Panasonic Mittelmotoren im Mittelpunkt stehen. Sie haben ein verbessertes Sensoren-System und fahren sich daher gleichmäßiger. Die schnellen Varianten sind zudem deutlich rasanter als die alten 26V Motoren. Schön ist, dass die Mittelmotoren bei Flyer weiter sehr leise arbeiten. Auf der IAA stehen Räder aus der C-, L- und T-Serie, sowie das  i:SY und das Flyer-Faltrad. Die neue R-Serie steht ebenfalls vor Ort, allerdings ohne Ausstattung.

Obwohl der Auftritt der e-Räder bisher kaum in den Medien zu finden ist (wie hier in der offiziellen PM des VDA zur E-Mobilitätshalle), kamen eine Reihe interessierter Journalisten am heutigen Pressetag an den Stand. Ansonsten ist es eher ruhig, berichtet Fabian Hofstetter (Flyer) von der Messe. Der Ansturm kommt wohl erst zu den Besuchertagen ab dem Wochenende.

e-Rad von Ford

Es sind aber neben klassischen Radherstellern auch zwei Autoriesen an der e-Rad Front dabei: Ford stellt eine E-Bike Studie vor hier gibt es Fotos. Eigentlich ist es aber kein E-Bike sondern ein E-Rad/Pedelec, es unterstützt nur wenn man tritt und dann bis max. 25km/h (Erläuterung zur Benennung von Rädern mit Elektromotor hier).  Das Rad ist betont modern gestylt, sieht aus wie ein Smart-Phone, es hat auch eins als Display. Die Vordergabel ist am Schaft gefedert der Antrieb ist mit einem Riemen statt einer Kette usgestattet. Das Ganze sieht nach viel aus, der Kern allerdings, der Antrieb ist ein kleiner Getriebemotor der nichts außergewöhnliches verspricht. Wahrscheinlich wird der Fahrspass dem Design des Rads nicht entsprechen. Da hätte man doch lieber einen leisen und direkter gesteuerten Motor verbaut. Meine Prognose: Das Rad kommt mit diesem Motor nie auf den Markt, es ist ein Mediengag.

Smart Rad

Ebenfalls noch nicht am Markt aber mit fester Zusage für das erste Halbjahr 2012 ist das e-Rad von Smart. Beim diesem Rad klingt alles etwas durchdachter und fertiger als beim Ford. Die Macher des Grace waren an der Entwicklung beteiligt, es fährt mit einem BionX Hinterrad-Nabemotor, der Akku hat ist mit 400Wh komfortabel groß, zumal das Rad auf 25km/h mit Motorunterstützung limitiert ist. Auf der Hesterllerseite gibt es mehr Infos.

Weiteres

Berichte zu Eurobike 2011

Noch mehr zu Messen und Tests.

Auf der Seite Pedelec-Forum habe ich eine Diskussion zum Thema e-Räder auf der IAA gepostet, teils kamen interessante Meinungen dabei raus 😉

Neu 2011! e-Räder (Pedelecs) auf der IAA!

2012 rechnet die Branche mit 300.000 verkauften Rädern mit E-Motoren! Woher kommen die vielen Nutzerinnen und Nutzer? Das heraus zu finden, treibt Kritiker und Freundinnen des e-Rads gleichermaßen um. Die einen meinen zu wissen: E-Räder sind Teufelszeug und bringen den chronischen faulen Menschen dazu gar noch fauler zu werden. Die anderen mutmaßen: Das e-Rad ersetzt an verschiedenen Stellen Autos und wird gemeinsam mit dem klassischen Rad die Städte aus dem fortwährenden Verkehrskollaps retten.

Die Sozialwissenschaften fahren die Rechner hoch, entwerfen Interview-Studien und  machen empirische Erhebungen in Beispielregionen mit Beispiel-Pedelec Nutzer_innen. In ein paar Jahren werden wir mehr wissen und das ist auch gut und wichtig. Aber….

Geschichte wird gemacht!

Wer möchte, dass Autos verschwinden und e-Räder stattdessen auftauchen, der muss raus aus dem warmen Nest und sollte sich nicht über den brancheninternen e-Rad Hype betrunken freuen. Der muss weg von Fahrradmessen, Fahrradpresse, Fahrradverbänden und letztlich eben auch Fahrrad-Fachpublikum! Dahin wo es weh tut! Und was wäre da geeigneter, als sich Mitten ins Herz des Autokults einzumieten? In die heiligen Hallen der mächtigen IAA im hessischen Frankfurt?

Pioniere: Flyer und Riese & Müller

Gesagt getan, dieses Jahr finden sich zwei mutige Pioniere auf der IAA. Die Hersteller Riese & Müller und Flyer packen die Messestände ein und bauen sie auf in der:

„Halle der Elektromobilität“

In der Halle also, die laut VDA Chef Wissmann „erstmals die gesamte Wertschöpfungskette beim Elektroauto“ zeigt. Die Elektroräder werden neben dem Smart-Prototypen zwischen Autokonzernen und ihren Elektroautos, den dazugehörigen Zulieferern und F&E Platz nehmen. Atomstrom-Riesen wie e.On oder evonik werden ebenso nicht fehlen. Man darf gespannt sein, ob die radelnden Exoten mit Mitleid, Wohlwollen oder Bewunderung; Spott, Missachtung oder Respekt empfangen werden. Herr Wissmann scheint es, wie oben zu erkennen, vorerst noch mit nicht-erwähnen zu probieren, was sich dann auch auf die meisten Pressemitteilungen zur Halle der Elektromobilität übertragen dürfte. Nun denn hier im Hafen steht die Sache geschrieben, tragt es in die Welt!

So wird die Halle der E-Mobilität hoffenttlich nicht aussehen.... Foto: Ruth Rudolph / pixelio.de

Bald raus aus dem (Wind)schatten rein in die Zukunft?

Auch wenn die IAA für Radhersteller sicher kein „Ponyhof“ ist, Riese & Müller und Flyer haben trotz der Lage am Rand des Wahrnehmungs-Korridors der Autobranche die Argumente auf ihrer Seite. Sie fahren im Windschatten der realen Entwicklung von Klimawandel, mangelnder Verkehrssicherheit, Lärm und Flächenverbrauch des Autoverkehrs, Peak Oil und knappen anderen Ressourcen. Weite Teile der Rest-IAA Aussteller wecken da eher die Metapher des Geisterfahrers auf der Fahrt in die Zukunft…

Der e-Rad Hafen findet, beiden Herstellern gebührt eine Menge Respekt und Applaus für diese Aktion: Derby, KTM und all Ihr anderen (e)-Rad-Riesen, macht Euch warm und kommt dazu; bei der AMI 2012 oder bei der IAA 2013. Wer weiß wie lange es dieses Veranstaltungen noch gibt.

Weiteres

Mehr zur IAA: Hier im Hafen

Eine Übersicht über Messen, Tests und Produktinfos: Hier

EuroBike – von Electra und Elektrolyte

Heute noch mal eine kleine Eurobike Nachlese…. Die kleine, aber schön bunte Ausstellung der Electra Räder kam, entgegen dem was der Name verheißt ganz ohne E-Räder aus. Mein kleines Video schafft einen Einblick in die farbenfrohe und eher klassisch anmutenden Sammlung.

Der Stil erinnerte mich irgendwie an kubanische Straßenkreuzer…

Ungewöhnliche E-Rad Typen

Neben den klassischen Touren, Komfort oder City-Rädern die zu Hauf mit e-Motoren ausgestattet werden, gibt es auch eine ganze Reihe von Nieschen-Radtypen, bei denen ich mir nicht so sicher bin, ob sie eine Abnehmerschaft finden, oder zur Elektrorad-Blase der frühen 2010er Jahre gehören und alsbald nicht mehr gesehen werden…

Elektrolyte

Ein solcher Typ sind die Singlespeed Räder der Marke „Elektrolyte“. Mit Namen wie „Brandstifter“ oder „Bürohengst“ kommen die ausgesprochen schicken Räder daher. Aufgebaut auf leichten, sauber verarbeiteten Rahmen, in abwechslungsreichen Farben. Es gibt sie mit und ohne Motor. Das e-Antriebskonzept ist einfach gehalten, ganz wie das Konzept eines Singlespeed Rads es nahelegt. Statt aufwendige Unterstützungs-Modi zu programmieren und den Motor über Sensoren mit Trittkraft, Geschwindigkeit und Trittfrequenz abzustimmen, ist es bei den Elektrlyte im klassischen James Bond-Style gelöst:

Über einen Boosterknopf wird der unscheinbare Hinterrad-Nabenmotor gestartet und man bekommt einen gehörigen Schub nach vorne. Der Akku ist eher im Look einer Trinkflasche gehalten und so kann einem der gesamte e-Antrieb beinahe verborgen bleiben. Wäre da nicht der etwas laute Sound des Getriebemotors (das ist wohl der Preis für die kompakte Bauart…)

Nun also ein e-Rad für Singlespeed-Fans, so kommen auch die schnell über Steigungen und fahren an der Ampel schneller an. Könnte klappen, aber ob das junge Siglespeed Publikum das sich ein pures, leichtes, aufs Minimum reduziertes Rad wünscht, einen Motor will? Ich bin gespannt, gönnen würde ich es den ausgeprochen sympathischen Leuten von Elektrolye jedenfalls, aber bei  Preisen für die e-Variante ab ca. 3000€??

Elektrolyt e-Rad, Foto: e-Rad Hafen

Mountainbikes mit Motor

Eine weitere Kategorie e-Räder, die vielleicht nicht ganz so Nischen verdächtig ist, sind MTBs mit e-Motor. Mit erscheint es ja erst mal etwas paradox ein reines Sportgerät mit einem Motor auszustatten. Besonders wenn der dann bei 25km/h bereits abriegelt. Da kommt der Speedfan ja gerade erst auf Touren. Beispielhaft dafür fand ich das e-Rad der Marke Cube, ein schickes Teil mit Akku in der Sattelstütze. Klangvoller Name: EPO ;-)Der Heckmotor ist sehr kräftig, die Unterstützung findet allerdings ein abruptes Ende bei 25km/h. Man hat dann sogar kurz das Gefühl, der Motor bremst ein wenig.

 

Akku-System Cube MTB, Foto: e-Rad Hafen

Wegen des Antriebs könnte man das EPO sicher gut fürs Uphill nutzen, um dann ohne Motor runter zu fahren. Oder aber solche e-Räder werden einfach als ein stylishes Trend-Produkt in der Stadt gefahren, fern jedes Berges… Ein Schicksal, das sie mit vielen hochwertigen Mountainbikes teilen würden…

 

e-Rad Blase

Nun ich vermag es nicht zu sagen, aber ich bin sicher, der e-Rad Markt versucht sich derzeit; jeder Hersteller stattet alles was nicht niet und nagelfest ist mit einem e-Motor aus. Die Entwicklung macht sieben Meilensprünge und in ein paar Jahren konsolidiert sich die Produktpalette. Hoffentlich mit vielen e-Rädern, die das Zeug haben Autos vielerorts unnötig zu machen und die dabei genauso viel Spaß machen wie die meisten e-Räder es bereits jetzt zun….