Stiftung Warentest – Pedelec Test 2013

Der zweite StiWa Pedelec Test wurde heute morgen auf einer Pressekonferenz vorgestellt – mit deutlich mehr negativen Befunden als 2011. Das ist erstaunlich denn der Test fand unter den gleichen Bedigungen wie vor zwei Jahren statt (mehr zu den Testbedingungen beim VCD, zum ersten Stiwa Test der Bericht des E-Rad Hafens, hier). Neben dem Fahrtest (Die Teststrecke sind 8,5 Kilometer, es fuhren sieben Tester_innen 2 Frauen, 5 Männer) ist vor allem die Prüfung der Dauerfestigkeit von Rahmen und anderen tragenden Bauteilen entscheidend für das Testergebnis, simuliert werden 20.000 Kilometer Betrieb. Getestet wurden 16 Komforträder mit tiefem Durchstieg. Vier Räder hatten einen Frontmotor, der Rest Mittelmotoren.

Aufgrund der vielen „mangelhaft“ Bewertungen mit Brüchen (3x Lenker, 1xRahmen und 3x Gabelanriss) folgender Hinweis: Die Lenker wurden auf meine Nachfrage ordentlich mit Drehmomentschlüssel  angebracht, die Befestigung wurde im Dauertest außerdem regelmäßig nachgezogen. Alle Brüche, also auch der Rahmenbruch beim Flyer, wurden nach dem ersten Bruch an einem zweiten E-Bike getestet – mit gleichem Ergebnis. Von 16 Rädern setzte es ganze 9 Mal „mangelhaft“, hier zu den Begründungen en Detail:

Neun Mal „mangelhaft“

Alle drei „billig Räder“ – Leviatec (Akku funktionierte nicht, laut Hersteller waren alle Akkus der Serie nicht funktionstüchtig, dazu diverse Brüche an Bauteilen),  Fischer (Gabelanriss, schlechte Bremsen und geringste Reichweite im Test – trotz zweier Akkus) und NORMA Top Velo (Gabelanriss, schlechte Bremsleistung, schlechte Reichweite und verzögerter Antrieb) fielen durch. Ebenso fiel das Rad des Herstellers des letzten Testsiegers Kreidler durch (Lenkerbruch nach 9000 Kilometern) genau wie KTM Macina Eight (Lenkerbruch sonst gute Bewertung), Sinus B3 8-G (Lenkerbruch, sonst gute Bewertung), Flyer C5R Deluxe (Rahmenbruch am Ausfallende), Victoria Assen (schlechte Bremsen, wenig Reichweite) und Raleigh Impulse iR HS (sendete so extreme elektromagnetische „Störwellen“ aus, dass die Funkdienste von Polizei, Feuerwehr und Rettung massiv gestört werden können).

Sieben mal zwischen „ausreichend“ und „gut“

„ausreichend“ bekamen Kalkhoff Impulse Premium i8R und Pegasus Premio E8, die den elektromagnetischen Grenzwert ebenfalls geringfügig überschritten.

Lediglich zwei Modelle (E-Courier SX von Stevens und Obra RT von Kettler) erhielten ein „gut“, drei weitere „befriedigend“ (Giant Twist Elegance C1 28‘‘, Winora C2 AGT mit Frontantrieb und das Hercules Tourer 8 Pro mit sehr langer Ladezeit).

Weiteres

Die Spanne der erzielten Reichweite lag über alle getesteten Modelle hinweg zwischen 25 und 75 Kilometern. Die Modelle von Kalkhoff und Raleigh erreichten eine Reichweite von 75 Kilometer, fielen allerdings wie gesagt durch ihre elektromagnetische Wirkung negativ auf. Nur 25 Kilometer schaffte das Fischer E-Rad – trotz der zwei Akkus.

Forderungen der StiWa

StiWa fordert 50 Kilometer Reichweite als Minimum und eine zuverlässige Restreichweiten Anzeige (soll heißen nicht spannungsbasiert). Ladezeiten für Akkus streuten von 2,5h Giant Twist Elegance C1 28‘‘ (bzw. alle Rädern mit Bosch-Antrieb) bis 12h (Hercules Tourer 8 Pro, das ein „befriedigend“ bekam), hier fordert die StiWa eine maximale Ladedauer von 3,5h (mehr zu Akkuladezeiten in dieser e-Rad Hafen FAQ).

Was heißt das für den Markt?

Auf alle Fälle sorgt dieser Test für extrem schlechtes Presseecho – und auch wenn einiges arg extrem dargestellt wird, haben sich die Hersteller das allem Anschein nach selbst zu zu schreiben, die betreffenden Stellungnahmen werden weiteres ergeben. Natürlich werden die meisten „Komfort“-Radler_innen nicht so starke Belastungen auf den Lenker bringen wie der Prüfstand im StiWa Test, schon allein wegen der aufrechten Sitzposition. Und klar sollte man Lenker im Idealfall alle zwei Jahre austauschen. Trotzdem sollten Lenker nicht brechen.

Mit dem Raleigh Impulse (Derby Cycle) und dem C-Flyer (Biketec) sind außerdem Räder der beiden größten Marken im guten mittleren Preissegment betroffen, das wird Verbraucher_innen zusätzilch verunsichern. Man kann nur hoffen, dass die Hersteller sich den Test zu Herzen nehmen und bei Rädern die gut 2000 Euro kosten lieber mal ein paar Euro mehr in lebenswichtige Bauteile stecken. Zudem bemängelte die StiWa zurecht, dass viele Räder mit 120kg zulässigem Gesamtgewicht kaum Zuladung vertragen und betreffende Angaben in den Bedienugsanleitungen häufig nicht sauber erklärt sind, das gilt auch für das Fahrzeuggewicht. Dazu kam noch das schlechte Abschneiden der mechanischen Bremsen und die ungenauen Reichweitenanzeigen.

Leider kam es bei diesen ganzen Problemen kaum zur Sprache, dass ein großer Teil der E-Räder sich sehr angenehm fährt. Aber wie schon das gesagt: Daran haben die Hersteller erst ein mal selbst Schuld.

Stellungnahmen der Hersteller

Bilder

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7 comments

  1. ich kann das mit den Lenkerbrüchen auch nicht nachvollziehen. Nach welcher Norm wurde denn getestet? Bisher habe ich seit Jahren von keinem Fall eines Lenkerbruches mehr gehört. Überraschend ist auch, dass z.B. das KTM in anderen unabhängigen Testes(z.B. Elektro Rad) mit „Überragend“ abschneidet. Auch ein „Rahmenflattern“ tritt bei meinem Rad nicht auf (Geschwindigkeit ca. 55 km/h bergab). Verwundert bin ich auch, dass trotz ADAC Beteiligung kein Pedalec eines Auto Herstellers mit im Test war.

  2. Die Tests an den Lenkern wurden 2011 in der selben Art und Weise durch geführt. Das wurde mit von der StiWa bestätigt. Brüche müssen also nicht sein, 2011 gab es das nicht. Du hast sicher Recht, dass es unter Normalbedingungen nicht passiert, sonst gäbe es ja auch täglich schwere Unfälle. Das ist nicht der Fall. Trotzdem bleibe ich dabei: Ein Lenkerbruch sollte auch nicht in Ausnahmefällen passieren.
    Die weiteren Rahmenschäden waren am Ausfallende bei einem Mittelmotor-Rad (da zieht die Kette stärker) und Gabelrisse bei Frontlern (das wird die Gabel stärker belastet) – also jeweils Schwachstellen, die der Antrieb mit sich bringt…
    Zu den Bremsen: Die V-Brakes sind ja in den meisten Fällen auch noch schlechte Exemplare.

  3. Die hohe Zahl an Lenkerbrüchen kommt mir auf jeden Fall merkwürdig vor. Ich glaube nicht, dass das bei halbwegs realistischen Testbedingungen so häufig vorkommen würde. In der Praxis passiert so etwas wesentlich seltener. Bei den Rahmenbrüchen kann ich mir das schon eher vorstellen, weil Rahmen mit niedrigem Einstieg nun mal bei gleichem Gewicht weniger stabil sind.

    Bei den Bremsen halte ich die Ergebnisse auch für zweifelhaft. V-Brakes sind zwar relativ wartungsintensiv aber wenn die Wartung/Montage ordentlich gemacht wird, dann ist die Bremsleistung meiner Erfahrung nach völlig ausreichend. Ich hatte an meinem Treckingrad jahrelang nur V-Brakes und auch bei deutlich höheren Geschwindigkeiten (35-45km/h), die man als sportlicher Fahrer ohne den ganzen Elektro-Ballast problemlos erreichen kann, war ich mit der Bremsleistung eigentlich ganz zufrieden. Inzwischen habe ich wegen dem hohen Belagsverschleiss (teilweise schon nach ca. 1000km Stadtverkehr) vorne doch auf Magura umgerüstet.

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